Bei einer Störung ist die erste Vermutung noch keine Diagnose. Die Prüfungsaufgaben lassen sich zuverlässig lösen, wenn du nacheinander fragst: Tritt der Effekt wirklich gleichzeitig mit der Aussendung auf, entsteht das unerwünschte Signal im Sender oder erst im gestörten Gerät, und gelangt die HF durch das Gehäuse oder über eine Leitung hinein?
Ein Diagnoseweg für EMV-Fälle
| Beobachtung | Passender Ansatz |
|---|---|
| Störung nur bei hoher Feldstärke | Übersteuerung oder unerwünschte Demodulation im Empfänger prüfen; Leistung senken, räumlich trennen oder das Nutzsignal des Empfängers verbessern |
| HF gelangt über Kabel zum Gerät | Leitungsgebundenen Weg behandeln: Schirmung, Mantelwellendrossel oder ein frequenzselektives Filter am betroffenen Eingang |
| HF koppelt unmittelbar in die Elektronik | Gehäuseschirmung schließen; eine leitfähige Hülle wirkt nur dann gut, wenn große Öffnungen und unkontrollierte Übergänge vermieden werden |
| Phantomsignale aus mehreren starken Signalen | Eine Nichtlinearität suchen; fällt ein beteiligtes Signal weg oder werden die Eingangspegel gedämpft, gehen die Mischprodukte deutlich zurück |
| Breites oder unsauberes Sendespektrum | Ansteuerung im linearen Bereich halten, bei Digitalbetrieb die ALC nicht regeln lassen und Modulationsbandbreite beziehungsweise Frequenzhub begrenzen |
| Harmonische oberhalb der Sendefrequenz | Am Senderausgang ein Tiefpassprinzip verwenden: Grundwelle passieren lassen, höhere Vielfache dämpfen |
Die Lage von Nutz- und Störfrequenz entscheidet über das Filter. Liegt die Störung deutlich unterhalb des gewünschten Empfangsbereichs, kann ein Hochpass am Empfängereingang sie sperren. Liegen unerwünschte Anteile als Oberwellen oberhalb der Grundfrequenz des Senders, gehört ein Tiefpass hinter den Sender. Leistung zu reduzieren senkt zwar die Feldstärke, ändert aber nicht automatisch Hub oder spektrale Breite. Bleiben vernünftige eigene Maßnahmen erfolglos, ist eine neutrale Untersuchung durch die zuständige Stelle der richtige nächste Schritt; eigenmächtige Eingriffe in fremde Netzgeräte sind keine Diagnose.
Typische Fehlentscheidungen
- Bei einem schwachen Fernsehnutzsignal sofort einen Vorverstärker einzusetzen. Er hebt Nutz- und Störsignal gemeinsam an und kann den Eingang noch stärker übersteuern; eine günstig platzierte Außenantenne verbessert dagegen Nutzpegel und räumliche Trennung.
- Ein Phantomsignal als unabhängig von seinen Eingangssignalen anzusehen. Intermodulation braucht mehrere Frequenzen und eine Nichtlinearität, etwa einen korrodierten Kontakt; verschwindet eine Mischfrequenz, verschwindet auch das daraus gebildete Produkt.
- Bei HF auf der Außenseite eines Koaxschirms einen Sender-Tiefpass zu wählen. Eine Mantelwellendrossel erhöht gezielt die Impedanz für den Gleichtaktstrom, ohne das Gegentaktnutzsignal im Kabel wesentlich zu sperren; Netzbrummen ist ein anderer Frequenzbereich.
- Einstrahlung und Einströmung nur als zwei Wörter für denselben Fehler zu behandeln. Der erste Begriff beschreibt Feldkopplung durch die Gehäuseschirmung; angeschlossene Leitungen bilden dagegen einen leitungsgebundenen Zuführungsweg.
- Auf ALC-Ausschlag, zu hohe Mikrofonverstärkung oder Endstufenkompression mit mehr Leistung zu reagieren. Die Nichtlinearität verbreitert das Spektrum und erzeugt Produkte neben dem Nutzkanal; die Ansteuerung muss zurück in den linearen Bereich.
- Hochpass und Tiefpass nach dem Wort ‚hochfrequent‘ auszuwählen. Maßgeblich ist die relative Lage: Ein niedriger Störer vor einem höherfrequenten Fernsehempfang wird hochpassgefiltert, höhere Harmonische eines Senders werden tiefpassgefiltert.
Jetzt anwenden
Bereits durch die Aussendung des reinen Nutzsignals können in benachbarten Empfängern Störungen beim Empfang anderer Frequenzen auftreten. Dabei handelt es sich um eine ...
- hinzunehmende Störung.
- Übersteuerung oder störende Beeinflussung.
- Störung durch unerwünschte Aussendungen.
- Störung durch unerwünschte Nebenaussendungen.
In einem Einfamilienhaus wird die Türsprechanlage durch den Betrieb eines nahen Senders gestört. Eine Möglichkeit zur Verringerung der Beeinflussungen besteht darin, ...
- für die Türsprechanlage eine Leitung mit niedrigerem Querschnitt zu verwenden.
- für die Türsprechanlage eine Leitung mit versilberten Kupferdrähten zu verwenden.
- für die Türsprechanlage ein geschirmtes Verbindungskabel zu verwenden.
- die Länge des Kabels der Türsprechanlage zu verdoppeln.
Eine 432 MHz-Sendeantenne mit hohem Gewinn ist unmittelbar auf eine Fernseh-Empfangsantenne gerichtet. Dies führt ggf. zu ...
- Eigenschwingungen des 432 MHz-Senders.
- dem Durchschlag des TV-Antennenkoaxialkabels.
- einer Übersteuerung eines TV-Empfängers.
- Problemen mit dem 432 MHz-Empfänger.