Bei Ausbreitungsfragen entscheidet zuerst der Weg: entlang der Erdoberfläche, über eine ionosphärische Region oder durch die Troposphäre. Danach folgen Tageszeit, Sonnenaktivität, Frequenz und Abstrahlwinkel; mehr Sendeleistung ändert nicht den zugrunde liegenden Weg.
Die Regionen nach ihrer Wirkung ordnen
| Bereich | Prüfungsrelevante Wirkung |
|---|---|
| D-Region | tagsüber starke Absorption tiefer Kurzwellenbänder; nachts weitgehend verschwunden |
| E-Region | örtlich und zeitweise stark ionisierte Bereiche können kurze Sprünge bis in den UKW-Bereich ermöglichen |
| Oberer Teil der F-Region | hoch liegender, langlebiger Bereich für große Sprungweiten auf Kurzwelle |
| Troposphäre | Wetterbereich, in dem Temperatur- und Dichteunterschiede VHF- und UHF-Signale über den Horizont führen können |
Die Sonnenaktivität schwankt ungefähr in einem elfjährigen Zyklus. Bei hoher Aktivität steigt die Ionisation der F-Region, sodass auch höhere Kurzwellenfrequenzen zur Erde zurückgebogen werden können. Die MUF ist die obere nutzbare Grenze eines bestimmten Weges; mehr Ionisation hebt sie an. Die LUF ist die untere brauchbare Grenze und wird vor allem durch D-Schicht-Absorption bestimmt. In der Dämmerungszone kann die Dämpfung bereits klein sein, während höhere Regionen noch günstig ionisiert sind.
Ein Sonnenflare kann durch plötzlich stärkere UV- und Röntgenstrahlung die D-Region zusätzlich ionisieren. Die folgende starke Absorption kann die Kurzwellen-Raumwelle zeitweise ausfallen lassen; dabei handelt es sich um einen plötzlich einsetzenden ionosphärischen Ausfall. Er ist kein langsames Mehrwege-Fading. Sporadic-E ist ebenfalls keine Absorptionsstörung, sondern eine örtlich begrenzte starke Ionisation in der E-Region, die zusätzliche Verbindungen ermöglicht.
Weggeometrie statt bloßer Reichweite
Die Bodenwelle folgt der Erdoberfläche und wird bei höheren Kurzwellenfrequenzen stärker gedämpft. Die Raumwelle trifft nach Brechung erst in einiger Entfernung wieder auf die Erde; ein flacherer Abstrahlwinkel ergibt gewöhnlich eine größere Sprungdistanz. Zwischen dem Ende der brauchbaren Bodenwelle und dem ersten Auftreffen der Raumwelle kann eine tote Zone liegen. Treffen beide Wellenanteile am selben Ort mit wechselnder Phasenlage ein, entstehen dagegen Feldstärkeschwankungen. Long Path bezeichnet nicht einfach viele Sprünge, sondern den Weg zur Gegenstation in der dem kürzesten Großkreisweg entgegengesetzten Richtung.
Typische Denkfehler
- Die D-Region als reflektierende Schicht für 80 und 160 m anzusehen. Ihre tagsüber entscheidende Wirkung auf diesen Bändern ist Absorption.
- Kurze Sprünge auf dem 10-m-Band automatisch der höher liegenden F-Region zuzuordnen. Örtliche starke Ionisation in der E-Region erklärt den typischen Short-Skip-Fall.
- Long Path mit großer Sprungweite, Echo oder besonders vielen Sprüngen gleichzusetzen. Entscheidend ist die entgegengesetzte Richtung zum kürzesten Weg um die Erde.
- Einen solar ausgelösten Kurzwellen-Blackout als Mehrwege-Fading, Modulationsverzerrung oder Übersprechen zu deuten. Ursache ist die plötzlich erhöhte D-Schicht-Absorption.
- MUF und LUF nur als zwei Namen für eine Grenzfrequenz zu behandeln. Die obere Grenze folgt der noch möglichen Brechung, die untere der noch erträglichen Absorption.
- Die tote Zone als Auslöschung von Boden- und Raumwelle zu erklären. Dort fehlt vielmehr die Überdeckung zwischen dem Ende des ersten und dem Beginn des zweiten Ausbreitungswegs.
Jetzt anwenden
Benenne vor der Antwort Weg, Region und veränderten Parameter. Prüfe dann, ob die Option eine Reichweite, eine Grenzfrequenz oder eine Feldstärke erklärt; diese Größen sind nicht austauschbar.
Welches Frequenzband kann im Sonnenfleckenmaximum tagsüber auch mit kleiner Leistung für weltweite Funkverbindungen verwendet werden?
- 2 m-Band
- 80 m-Band
- 160 m-Band
- 10 m-Band
Von welchem der genannten Parameter ist die Sprungdistanz abhängig, die ein KW-Signal auf der Erdoberfläche überbrücken kann? Sie ist abhängig ...
- vom Antennengewinn.
- vom Abstrahlwinkel der Antenne.
- von der Polarisation der Antenne.
- von der Sendeleistung.
Was kann durch das Zusammenwirken von Raum- und Bodenwelle verursacht werden?
- Frequenzverschiebung (Doppler-Effekt)
- Rückstreuung (Backscatter)
- Rauschen (Noise)
- Feldstärkeschwankungen (Fading)